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MAPPING THE COLLECTION



DAS MUSEUM LUDWIG IN KÖLN WIDMET SICH MIT DER AUSSTELLUNG “MAPPING THE COLLECTION“ DER AMERIKANISCHEN KUNST DER 1960ER UND 1970ER JAHRE UNTER BISHER (NOCH) SELTEN BEACHTETEN GESICHTSPUNKTEN. QUEERE, GENDERTHEORETHISCHE UND POSTKOLONIALE FRAGESTELLUNGEN STELLEN DIE UNS “GELÄUFIGE“ KUNSTGESCHICHTE IN FRAGE UND REGEN ZUR NACHARBEITUNG DER KUNSTGESCHICHTSSCHREIBUNG AN. EIN AUSSTELLUNGSBESUCH MIT FOLGEN.

Der erste Eindruck zählt, heißt es immer. Hätte ich es bei meinem ersten Eindruck - mit dem Blick auf das Ausstellungsplakat - belassen, hätte ich die Ausstellung “Mapping the Collection“ vielleicht gar nicht besucht. Weder Titel noch Plakat ließen mich ahnen, was die Ausstellung möchte, was das Thema sein könnte. Der erste Eindruck also: Ein Museum räumt in Pandemiezeiten mal den Keller auf und zeigt dann in einer Ausstellung, was seit Jahren verborgen im Museum schlummert oder lauert. Der erste Eindruck flüstert mir demnach zu, dass ich einen Ausstellungsbesuch getrost sein lassen kann, auch wenn eine Depotschau durchaus auch spannend ist. Aber nach der musealen Trockenperiode im Frühjahr brauche ich jetzt mehr denn je etwas Gehaltvolles, eine thematisch spannende und relevante Ausstellung. Etwas mit Pritzel, etwas, was mich länger und nachhaltig beschäftigen wird, auch über den Museumsbesuch hinaus. Dann werde ich gefragt, ob ich mir die Ausstellung “Mapping the Collection“ anschauen möchte. Ich sage zu und habe immer noch keinen blassen Schimmer, worum es in dieser Ausstellung geht. Unvorbereitet ins Museum möchte ich aber auch nicht. Ich recherchiere. Schnell, sehr schnell, stelle ich fest, hier handelt es sich um eine Ausstellung mit höchst politischer und gesellschaftlicher Brisanz. Nix da Depotschau und bye-bye erster Eindruck. Im Fokus der Ausstellung steht die amerikanische Kunst der 1960er und 1970er Jahre und zwar im Kontext relevanter postkolonialer, queerer und gender betreffender Fragestellungen.

Die 1960er und 1970er Jahre sind turbulent und legen den Grundstein für weiterführende gesellschaftliche und sozialpolitische Entwicklungen, die bis heute nicht abgeschlossen sind.

Es sind die Jahrzehnte des Civil Rights Movement, der Antikriegsbewegung, der Frauenbewegungen, der Ermordung John F. Kennedys und Martin Luther Kings. Es wäre ungewöhnlich, wenn diese Ereignisse nicht von Künstlern aufgenommen und in ihren Werken verarbeitet worden wären. Und genau hier setzt die Kuratorin Janice Mitchell an. Als Stipendiatin der Terra Foundation untersuchte sie zwei Jahre die Sammlung des Museum Ludwig, genauer gesagt die USamerikanische Kunst des 20. Jahrhunderts dieser Sammlung, auf postkoloniale, queere, feministische und gender-theoretische Diskurse. “Mapping the Collection“ ist das Ergebnis dieser Forschung. Wer jetzt eine laute Protestausstellung erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Denn Mitchells Ausstellungskonzept zeigt, ruhig und besonnen, die Versäumnisse in der Erzählung der Kunstgeschichte, vor allem aus unserer eurozentrischen Sicht. Sie verwebt Arbeiten bekannterer Künstler wie Jasper Johns, Robert Rauschenberg oder Ed Ruscha mit den Werken ‚weniger‘ bekannter, mir sogar teilweise völlig unbekannter Künstlerinnen und Künstler wie Pirkle Jones, Louise Nevelson, Senga Nengudi oder David Wojnarowicz. Als Kunsthistorikerin, aber nicht nur aufgrund dieses Backgrounds, frage ich mich natürlich, warum keiner dieser „unbekannten“ Künstlerinnen und Künstler mir bisher auf meinem Weg quer durch die Kunst begegnet ist. Weder an der Universität war die kunsthistorische Betrachtung der amerikanischen Kunst mit dem Fokus der Verarbeitung von Missständen und dem daraus resultierenden Protest Thema, noch habe ich je Ausstellungen dazu besucht. Das Versäumnis liegt also sehr wohl auch bei mir. Trotzdem wünschte ich mir, es hätte mehr Denkanstöße auch von Seiten der Lehre gegeben. Mitchells Ausstellung öffnet mir die Augen demnach noch ein bisschen mehr, was den Diskurs der Kunstgeschichte und auch der Institution Museum angeht. Ich fühle mich dazu bewegt, mehr zu hinterfragen, ab jetzt noch mehr. Kunst ist immer auch ein Spiegel der Gesellschaft und der Zeit in der wir leben.

"DIE DURCH DIE AUSGEWÄHLTEN KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER VERTRETENEN THEMEN SIND HEUTE IMMER NOCH SO AKTUELL WIE IN DEN 1960ER UND 1970ER JAHREN."

Kunstwerke damit Zeitzeugnisse, die uns wichtige Informationen zu den verschiedensten Themen liefern können. “Mapping the Collection“ zeugt davon und zeigt damit: Kunst ist systemrelevant. Da ist zum Beispiel die Nonne Schwester Corita Kent, die schrille Pop Art Gemälde schuf, um sich gegen Rassismus, Armut und Ungerechtigkeit zu stellen. Da ist David Wojnarowicz, dessen Arbeiten vom Widerstand gegen eine ausgrenzende Gesellschaft zeugen und Claes Oldenburg, der seine Gewalterfahrungen bei einer Demonstration in Chicago 1986 künstlerisch verarbeitet. Da ist Martha Rosler, die sich in ihrer Videoarbeit “Semiotics of the kitchen“ als Hausfrau verkleidet und sich gegen die starre Rollenverteilung von Mann und Frau auflehnt und die Künstlergruppe Asco, die sich mit sozioökonomischen und politischen Problemen der Latinx in den USA auseinandersetzt. Die durch die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler vertretenen Themen sind heute immer noch so aktuell wie in den 1960er und 1970er Jahren. Es gibt viel zu tun, auch in den Museen, der Vermittlungsarbeit und auch in der Schreibung der Kunstgeschichte. Das alles sagt mir die Ausstellung “Mapping the Collection“ und bestätigt, dass Kunst neben dem ganzen Kunstmarktgedöns ein ziemlich bedeutsames gesellschaftliches Instrument ist. Ich bin wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Zum Abschluss meines Ausstellungsbesuches schaue ich mir die Arbeit "Just back from Los Angeles: A Portrait of Yvonne Rainer“ von Adam Pendleton an. Ein Werk von 2016/17, dass mir noch einmal vor Augen führt, dass die Probleme und Missständer des Amerika der 1960er/70er Jahre immer noch präsent sind, nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa und auch vor meiner Haustür. Diese Arbeit geht mir ans Herz, ich werde sie noch lange in Gedanken mit mir durch die Gegend tragen. Ich verlasse die Ausstellung, das Museum, ein kleines Glossar mit Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Gruppen, Organisationen und historischen Ereignissen der Ausstellung begleitet mich. Ich lasse meinen ersten Eindruck Revue passieren. Vorurteile sind doof.

Museum Ludwig Köln, Mapping the Collection, noch bis zum 11. Oktober 2020
Fotos:

  1. Ausstellungsplakat, ©Museum Ludwig, Köln
  2. Installationsansicht Mapping the Collection, Museum Ludwig, Köln 2020
    Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / Nina Siefke
  3. Installationsansicht Mapping the Collection, Museum Ludwig, Köln 2020
    Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / Nina Siefke
  4. Installationsansicht Mapping the Collection, Museum Ludwig, Köln 2020
    Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / Nina Siefke
  5. Harry Gamboa Jr., aus der Asco Zeit The Gores, (Whittier Blvd + Axe), 1974, ©1974, Harry Gamboa Jr.
  6. Adam Pendleton, Filmstill aus Just back from Los Angeles: A Portrait of Yvonne Rainer, 2016–2017 © und courtesy Adam Pendleton
  7. Mapping the Collection, Glossar
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