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KUNSTHALLE WIEN



DIE KUNSTHALLE WIEN ZEICHNET SICH DURCH EIN BESONDERS INNOVATIVES UND KREATIVES PROGRAMM IM BEREICH DER KUNSTVERMITTLUNG AUS. DIE EINZELNEN ANGEBOTE ERGÄNZEN DIE LAUFENDEN AUSSTELLUNGEN NICHT NUR, SONDERN BEREICHERN SIE, INDEM SIE ZU SOZIO-KULTURELLEN, GESELLSCHAFTLICHEN UND POLITISCHEN THEMEN STELLUNG BEZIEHEN, DISKUSSIONEN ANREGEN, KUNST UND LEBEN MITEINANDER VERBINDEN UND NIEMANDEN AUSSEN VOR LASSEN.

WIR HABEN MIT DEM GESAMTEN TEAM VON DER KUNSTVERMITTLUNG DER KUNSTHALLE WIEN ÜBER DIE AKTUELLE SITUATION VON KUNSTVERMITTLUNG, IHRE ZUKUNFT UND IHR POTENZIAL GESPROCHEN!

Ich möchte zu Beginn gerne von euch wissen, welchen Stellenwert eine Kunsthalle als Institution grundsätzlich für euch hat. Worin liegen die Chancen, das Potenzial, vielleicht auch im Hinblick auf andere Museen?


Der Stellenwert ist ein großer, da es mich immer interessiert hat mit zeitgenössischer Kunst zu arbeiten und die Institutionen, die ausschließlich zeitgenössische Kunst zeigen weniger geworden sind – abgesehen davon, dass zeitgenössische Kunst auch an Orten zu sehen ist, die andere Schwerpunkte haben.

Vorteile: Beweglichkeit, Aktualität, Frische, kein großer Tanker, flache Hierarchien, Möglichkeit für Vermittlung direkt zu gestalten.


Das spezielle an der Kunsthalle Wien ist für mich vor allem auch die Flexibilität, die sie als Ausstellungshalle ohne Sammlung hat, dadurch können wir zum Beispiel auch sehr unmittelbar und aktuell auf gesellschaftlich relevante Themen reagieren. Im Oktober 2020 zum Beispiel widmeten wir uns in der dritten Ausgabe unserer Mitmach-Ausstellungsreihe Space for Kids unter dem Titel "Denk(dir)mal!" in der Kunsthalle Wien Karlsplatz einem sehr aktuellen Thema: Denkmälern und unserem Umgang mit Geschichte. Viele Menschen haben sich ja weltweit in letzter Zeit zu Black Lives Matter-Kundgebungen zusammengefunden, um gegen rassistische Gewalt zu demonstrieren und darüber zu diskutieren, ob viele der existierenden Denkmäler nicht einer Veränderung bedürfen. Wer hat in der Vergangenheit ein Denkmal bekommen und wer wurde bisher übergangen oder vergessen? Für wen oder was würden Kinder ein Denkmal bauen und wie würde es aussehen? Diese Fragen haben uns beschäftigt und die Besucher*innen konnten sehr unmittelbar selbst kreativ werden und die Ausstellung mit ihren Ideen aktiv mitgestalten.


In diesem Sinn ließe sich auch ergänzen, dass, wie bei den meisten Kunsthallen, auch hier eine Ortsangabe zum Namen gehört, also: Kunsthalle WIEN. Der urbane Kontext, mit all seinen Themen, (Kunst)Szenen, historischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Strukturen spricht daher immer mit, wenn es um die kunstvermittlerische Aktivierung der in der Kunsthalle gezeigten „Inhalte“ geht. Daraus resultiert ein zentraler Auftrag an die Vermittlungsarbeit: internationale zeitgenössische Kunst, die politisch anspruchsvolle Themen und Sprachen verschiedenster globaler Schauplätze transportiert, mit lokalen Fragen und Anliegen in Verbindung zu bringen. Denn als Institution der Stadt Wien, deren Betrieb fast vollständig von Förderungen der Stadt getragen wird, steht die Verantwortung im Raum, ein Programm anzubieten, das für möglichst breite (eigentlich alle?) Teile der Stadtbevölkerung interessant und zugänglich ist. Dies ist zugegebenermaßen noch nicht wirklich realisiert, und meist liegt die Hoffnung auf der Kunstvermittlung, dass diese den gewünschten „Outreach“ leisten kann. Das ist ein hoher Anspruch, macht die Kunstvermittlung aber auch zur aufregenden, weil dynamischen Schnittstelle, an der die gesellschaftliche Funktion einer städtischen Kunsthalle direkt mit dem Publikum immer neu ausgehandelt wird.


Inwiefern ist die Kunsthalle Wien prägend für das Stadtbild?


Architektonisch ist die Kunsthalle Wien leider nicht prägend für das Stadtbild, hier wurde ein großer Vorteil der Anfangszeit verspielt (1. Kunsthalle am Karlsplatz, Container-Lösung), vielleicht sollte die Kunsthalle Wien diese Beweglichkeit auch räumlich wieder bekommen und aus dem MQ auswandern, mit kleiner Homebase Karlsplatz.

Ein allgemeiner Wien Bezug ist wichtig oder die Arbeit mit hier lebenden Künstler*innen. Auf alle Fälle arbeiten wir hauptsächlich mit Menschen, die hier leben. Als „Kunstort“ ist die Kunsthalle Wien natürlich schon prägend, und das seit der Eröffnung am Karlsplatz und dann mit der Eröffnung des Museumsquartiers. Vielleicht eben auch eine große Qualität, dass sich die Kunsthalle immer neu erfindet.


Es stimmt, dass das „versteckt“ sein hinter einer neobarocken Fassade nicht gerade die Sichtbarkeit von zeitgenössischer Kunst fördert, trotzdem sehe ich es als wichtig, dass die Kunsthalle Wien Teil des Museumskonglomerats Mitten im Herzen der Stadt ist. Vielleicht sind wir durch die Lage auch mehr gefordert, dass wir unsere Programme auch stärker mit den Bewohner*innen der Stadt vernetzen und somit Impulse für mehr Öffentlichkeit setzten – ich denke dabei zum Beispiel an „Ich mag laut – die Kunsthalle Wien Kinderdisko“ wo wir im Rahmen des MQ KinderKulturParcours im Haupthof des Museumsquartiers einen Disko-Container aufgestellt haben und Kunst mit Clubkultur verbunden haben. Zutritt in den Club – in dem „echte“ DJs aufgelegt haben – hatten nur Kinder von 4 bis 10 Jahren und der Türsteher hat die Erwachsenen tatsächlich draußen warten lassen – das war schon ein tolles Projekt das bei den Kindern und den Erwachsenen auf große Begeisterung gestoßen ist. Im Jahr darauf haben wir dann gemeinsam mit dem ZOOM Kindermuseum, dem AZW und den Künstler*innen Billie Meskens und Stephen Mathewson die "1. Wiener KinderKulturParade" ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den beiden benachbarten Institutionen haben wir uns drei Tage lang mit Kindern über ihre Wünsche und Ideen für ihre Stadt auseinandergesetzt. Wir haben Schilder, Plakate und Banner gebastelt und den Paradewagen dekoriert und zum großen Finale gab es eine große Parade durchs MQ und raus auf die Mariahilfer Straße mit Musik, Performance und kleinen Interventionen. Diese beiden Projekte zeigen meiner Meinung schon ganz stark wie wichtig Synergien mit den anderen Institutionen sind und dass wir als Institution starke Impulse zum Stadtleben beitragen die auch nachhaltig sind, denn schlussendlich hätten wir die "2. Wiener KinderKulturParade" schon fix durchgeplant gehabt – doch dann kam Corona und alles ist auf einmal anders geworden….

"ABER GUTE VERMITTLUNG ZEIGT SICH NICHT NUR IM KONZEPT, SONDERN IN DER DIREKTEN BEGEGNUNG, GEMEINSAMEN UMSETZUNG MIT DEN TEILNEHMER*INNEN."

Ich frage das u.a., weil euer Vermittlungsprogramm sich teilweise sehr konkret auf die Stadt Wien bezieht. Z.B. mit einem Entwurf für die Umgestaltung des Lueger-Denkmals. Dieses Vermittlungsangebot hat mich unheimlich gerührt, so wundervoll fand ich es. Ich hätte am liebsten sofort mitgemacht, es bewegt uns alle Groß und Klein. Zusätzlich haben sich an diesem Beispiel viele Punkte getroffen, die meiner Meinung nach eine gute Vermittlung ausmachen: Geschichte, Umgebung/Umwelt, Kreativität, Partizipation, Gegenwart und Zukunft. Kunstvermittlung wird so schnell mit einfachen Führungen oder Workshops assoziiert, dabei ist Vermittlung viel mehr. Was bedeutet für euch gute Kunstvermittlung?


Bin ja nicht der Meinung, dass Führungen einfach sind oder einfach sein sollten. Ja klar, Vermittlung ist mehr, Anderes, Unerwartetes, entsteht auch immer mit den Teilnehmer*innen neu. Und es ist halt auch wunderbar eine gesamte Ausstellung mit dem Vermittlungsprogramm denken und umsetzen zu können. Aber gute Vermittlung zeigt sich nicht nur im Konzept, sondern in der direkten Begegnung, gemeinsamen Umsetzung mit den Teilnehmer*innen.


Wir machen z.B. auch sehr viele Projekte mit Berufsschüler*innen und Lehrlingen. Bei diesen Projekten die meist über ein ganzes Semester gehen bringen wir die Jugendlichen mit zeitgenössischen Künstler*innen zusammen um den Berufsschüler*innen einen neuen unkonventionellen Blickwinkel auf ihr Berufsfeld und ihren Arbeitsalltag zu geben. Ich denke da zum Beispiel an das Projekt „Gäste Gosti Misafirler“ wo Maurerlehrlinge und der Künstler Carsten Födinger ein Gästehaus aus Beton gebaut haben. Die Idee für dieses Gästehaus ist von den Lehrlingen gekommen, die sich nicht nur mit den verschiedenen Möglichkeiten ihres Arbeitsmaterials sondern auch mit dem Karlsplatz auseinandergesetzt haben. Im Zuge des Projekts und einer Exkursion hat sich gezeigt, dass der Karlsplatz selbst nach den ganzen städtebaulichen Impulsen noch immer Brennpunkt ist und Obdachlosigkeit ein sozialpolitisches Problem ist. Aufgrund dieser Erkenntnis haben die Lehrlinge dann vorgeschlagen dass sie einen für alle offenen Pavillon bauen wollen. Das Gästehaus ist dann für 1 Jahr am Skulpturenplatz der Kunsthalle Wien Karlsplatz geöffnet gewesen. Und im letzten Jahr haben sich die Künstlerin Marlies Pöschl und unser Kollege Michael Simku gemeinsam mit Berufsschüler*innen der Orthopädietechnik / Prothesenbau unter dem Titel "Degrowing Narratives" über die Zukunft von Pflegeberufen Gedanken gemacht. Können Maschinen fühlen? Welche Verschaltungen zwischen menschlichen Körpern und Maschinen wird es in Zukunft geben? Wie schreiben sich Geschichte und Arbeit in den Körper ein? Und wie verändern technologische Innovationen den Arbeitsalltag im medizinischen Bereich? Für solche Fragen gibt es im Ausbildungsplan der Berufsschüler*innen oftmals nicht genug Platz – doch wir finden, dass sich Berufe durch Automatisierung und Digitalisierung so stark verändern und ein Austausch über die Zukunft von Arbeit extrem wichtig ist. Die Zusammenarbeit mit Künstler*innen bietet da oftmals überraschende Antworten und empowered die Berufsschüler*innen. Im Projekt mit Marlies Pöschl wurde filmisch gearbeitet und in Form eines performativen Filmscreenings im Le Studio/Studio Moliere präsentiert. Bei diesen Projekten nehmen wir eine der laufenden Ausstellungen der Kunsthalle Wien immer als Ausgangspunkt und Anregung für eine weitere tiefgreifende Auseinandersetzung zu einem bestimmten Thema bzw. denken die Bedürfnisse und Wünsche von Jugendlichen immer sehr stark mit.


Genau, gute Kunstvermittlung passiert wenn man es schafft, dass die Teilnehmer*innen aktiv „dabei sind“, Fragen stellen, ev. selbst kreativ werden und eine Art Empowerment erfahren durch die Begegnung mit der Kunst.


Gute Kunstvermittlung ist es für mich vor allem dann, wenn sie – ausgehend von Kunst – Gespräche ermöglicht, und dabei vor allem Stimmen zu Wort kommen lässt, die in Kunsträumen seltener zu hören sind. So etwas kann auf jeden Fall auch im Rahmen einer Führung passieren, vor allem wenn der/die Kunstvermittler*in spürbar werden lässt, dass er*sie auch nicht „alles“ oder „das Richtige“ weiß, sondern vielmehr selbst von Fragen umgetrieben ist, für die in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit der ausgestellten Kunst AntwortEN (plural!) gesucht werden können. Der Zugang zur Kunst wäre dann nicht ein erklärender, der mit vorgefertigtem Wissen hantiert, sondern eher eine gemeinsame Erkundung, was diese für die Anwesenden bedeuten kann, und da können durchaus Überraschungen – für alle Beteiligten – dabei entstehen.


Künstlerische Strategien als Denk- und vor allem Handlungsräume zu öffnen und in partizipativen Projekten gemeinschaftlich zu aktivieren hat sich als eine sehr spannende Vorgehensweise für uns herauskristallisiert. Ein weiteres Beispiel für ein solches Projekt, das ich als äußerst gelungen empfinde, ist "Zukunft bist du". Dabei haben sich Berufsschüler*innen, ohne literarischer Erfahrung über ein Semester hinweg in Science Fiction Autor*innen verwandelt. Am Ende des Projekts entstand ein ganzes Buch mit SCI-FI Kurzgeschichten. Ziel war es dabei vor allem herauszuarbeiten welche Vorstellungen, Wünsche oder auch Ängste junge Menschen gegenwärtig haben und wie uns in diesem Fall das Schreiben dabei helfen kann einen Zugang und eine Artikulierung dieser Imaginationen zu finden.


Welches Format bzw. Welches Medium funktioniert eurer Meinung nach mit welcher Generation am Besten? Habt ihr da konkrete Erfahrungen gemacht?


Workshops, die viel Raum zum Selbermachen lassen und gut begleitet werden, kommen bei Kindern von 6 – 12 sicher gut an (und eben auch bei den Eltern). Für ältere Schüler*innen und Oberstufen-Schüler*innen ist unser 90 Minuten-Format des „Kunstgespräches“, in dem wir in der Ausstellung mit hohem Anteil an Eigenständigkeit der Schüler*innen und in Kleingruppen arbeiten, sehr gut angekommen - braucht nur wieder die Möglichkeit für Schulen die Kunsträume aufsuchen zu dürfen. Für Erwachsene ist das Führungsangebot immer noch ein interessantes, wir sind da auch eher individuell und mit Schwerpunktsetzungen unterwegs. Wunderbar sind bei uns immer wieder längerfristige Projekt mit Berufsschüler*innen oder älteren Schüler*innen gelaufen. Die Möglichkeit an einem Thema längere Zeit zu arbeiten und das dann auch präsentieren zu können, war für alle Seiten immer sehr produktiv.


Des Weiteren schauen wir, dass wir auch viel Peer-to-Peer Arbeit machen – da fällt mir zum Beispiel das Führungsformat „Meine Sicht“ ein. Bei diesem Format laden wir Menschen dazu ein eine Führung durch die Ausstellung zu machen, die einen ganz persönlichen Blick auf die Ausstellung gibt – das können Spezialist*innen oder Laien sein, Künstler*innen und Performer*innen aber auch Kinder wurden schon dazu eingeladen mit uns eine Führung für ihre Peers zu machen. Und was sich durch die für Kinder konzipierten Workshops auch gezeigt hat, ist das auch Erwachsene sehr gerne selbst kreativ werden: daher bieten wir dieses Programmangebot – also sich gemeinsam eine Ausstellung anzuschauen, über einzelne Kunstwerke genauer sprechen und diskutieren und daran anschließend noch selbst kreativ zu arbeiten – mittlerweile auch teils für Erwachsene an.


Gesprächs- und diskussions-basierte Formate funktionieren gut mit Erwachsenen, jedoch zeigt sich vor allem in der Auseinandersetzung mit Kunst, die ja bewusst auch zu nicht-sprachlichen Medien greift, dass Reden nicht immer der beste und allen gleichermaßen verfügbare Zugang zu produktiven Erfahrungen und Erkenntnissen ist. Daher binde ich sehr gerne spielerische, performative, objekt-assoziative und handwerkliche Elemente in Gesprächs-Moderationen ein, mit denen Denk-Routinen unterbrochen und auf neue, unerwartete Wege gelenkt werden können. Dabei orientiere ich mich oft an Verfahren, die auch die Kunst verwendet, insbesondere wenn ich darin das Potential sehe, komplexe, vielleicht sogar widersprüchliche Inhalte für die Diskussion zu erschließen.

"ES IST AUFFÄLLIG, DASS WORKSHOPS MIT PRAKTISCHEM KÜNSTLERISCHEM SCHWERPUNKT, DIE EIGENTLICH FÜR KINDER ODER JUGENDLICHE INTENDIERT SIND, ERWACHSENE GENAUSO FASZINIEREN UND ZUM MITMACHEN ANIMIEREN."

Gibt es - außer Corona - grundsätzlich ein Thema, das bei eurer Vermittlungsarbeit eine Rolle spielt und generationsübergreifend alle ähnlich bewegt?


Kunst! Klingt einfach, für mich aber die Antwort.


Corona ist zwar ein Thema das wir vielleicht noch recht lange thematisieren müssen aber auch hier denke ich, dass es vor allem um Fragestellungen und Denkprozesse geht, die sich mit uns als „soziales Wesen“, als Gemeinschaft auseinandersetzen und in wie fern uns zeitgenössische künstlerische Positionen neue Sichtweisen geben können – also ein Themenkomplex, der sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit zieht.


Ja das ist sicher richtig. Für mich ist in der Vermittlungsarbeit immer auch ein sehr niederschwelliger Zugang wichtig: dass wir eben alle ansprechen und nicht nur Menschen, die schon ein Vorwissen haben oder geübt sind was das Dechiffrieren von zeitgenössischer Kunst betrifft, die ja auch oft unzugänglich wirken und sein kann.


Ich finde die „Kunst!“-Antwort richtig gut, weil einerseits gibt es so viele gesellschaftlich „brennende“ Themen, die einer generationenübergreifenden Bearbeitung bedürfen (im Sinne, dass alle Perspektiven auf die Dinge gehört werden sollten), aber diese sind oft konflikt-behaftet und nicht leicht anzupacken, und Kunst bietet in ihrer besten Form für mich, wie in der Antwort zu Frage 4 schon angedeutet, komplexe Wirklichkeits-Assemblagen an, die Vorschläge machen, wie mit diesen Widersprüchen und Verletzlichkeiten umgegangen werden kann, bis hin zu einem Ver/Umlernen und Neuverhandeln dessen, was einem „Guten Leben für Alle!“ im Weg steht.


Es ist auffällig, dass Workshops mit praktischem künstlerischem Schwerpunkt, die eigentlich für Kinder oder Jugendliche intendiert sind, Erwachsene genauso faszinieren und zum Mitmachen animieren. Hier scheint es, quer über alle Generationen hinweg, eine große Sehnsucht nach spielerischer Anwendung künstlerischer Strategien zu geben, für die sonst im Alltag vielleicht der Raum fehlt.


Aber trotzdem müssen wir über Corona sprechen. Wie sehr hat es eure Vermittlungsarbeit verändert? Ab wann habt ihr begonnen, die Vermittlungsprogramme zu verändern?


Der erste Lockdown kam doch überraschend schnell. Wir haben sehr viel in Richtung Video und Podcast gearbeitet. Etwas, das aber schon vor dem Lockdown wichtig war. Es gab Buchbesprechungen, in die auch die Vermittlung in Auswahl und Textgestaltung eingebunden war. Es gab und gibt schöne, kreative Anleitungen – Online-Workshops für Kinder zu Hause. Dann kamen erste Versuche der Vermittlung via Zoom, die dann auch eine sehr lustige und gelungene Umsetzung in einer Live-Videoproduktion mit Kindern fand ("Aladine und die Wunschmaschine" im Rahmen der KinderUniKunst). Jetzt arbeiten wir gerade wieder neue digitale Gesprächs-Formate aus. Es ist ein Prozess, von dem einiges bleiben wird.


Findet ihr, dass die Corona Krise, den institutionellen Kunst- und Kulturbetrieben, aufgezeigt hat, wie wichtig die Vermittlung ist, indem sie plötzlich nicht mehr stattfinden konnte?


Ich denke, in der Kunsthalle Wien war die Wichtigkeit der Kunstvermittlung schon vorher klar. Trotzdem fehlt die Wichtigkeit auf höheren Ebenen, also außerhalb der engeren Bereiche Kunst- und Kultur.


Durch die Corona Krise hat sich gezeigt wie extrem prekär die Arbeitsverhältnisse im Kunst- und Kulturbereich sind. Viele Kolleg*innen aus anderen Institutionen wurden auf Kurzarbeit geschickt oder standen plötzlich vor dem Nichts. Wir als Kunstvermittlungsteam der Kunsthalle Wien sind in der äußerst glücklichen Lage, dass wir – mit unterschiedlichem Stundenausmaß – fix angestellt sind und somit auch während des Lockdowns im Homeoffice weiterarbeiten konnten. Und zu tun gab und gibt es auch im Homeoffice genug: wir haben uns digitale Programmformate ausgedacht und umgesetzt, haben uns auf die Zeit nach dem Lockdown vorbereitet und Vermittlungsprogramme samt Sicherheitskonzepten für Kinderworkshops während der Sommerferien entwickelt und die dritte Ausgabe unserer Mitmach-Ausstellung Space for Kids kuratiert. Und auch wenn digitale Angebote in Zeiten von Social-Distancing wichtig sind, so freuen wir uns doch schon sehr auf die Zeit wenn wir wieder eine Situation vorfinden wo sich Nähe und Gemeinschaft auch analog und IRL zeigen kann.


Die Vermittlung in der Kunsthalle Wien hat auf eine andere Art schon auch weiter stattgefunden – auf einer digitalen Ebene haben wir einige Programme angeboten und ich fand es sehr spannend dass wir gefordert waren uns neue Formate auszudenken und die digitalen Möglichkeiten mehr in unsere Arbeit miteinzubeziehen. Das großartige an Online-Vermittlungsformaten ist ja auch dass Teilnehmer*innen aus aller Welt mitmachen und dabei sein können.


Der Blickwinkel, den Vermittlung in der aktuellen Situation vor allem beitragen kann, ist, dass es da schon immer ein Bewusstsein dafür gibt, dass Zugänge zu Kunst von unterschiedlichen Ressourcen an Vorbildung, Mobilität und Gewohnheit „gestaltet“ sind. Die Idee einer „direkten“ oder „unvermittelten“ Erfahrung in der Begegnung mit Kunst als „authentische“ und wertvollste Form der Kunstbetrachtung verdeckt, wie viel Vorwissen, Geübtheit im Museumsbesuch, und Sich - z.B. in den dort „gesprochenen“ Sprachen – Wiedererkennen darin steckt, wenn jemand sich entspannt in Kunsträumen bewegen kann. Die Anforderung, für Zugriffe aus der Distanz etwas anzubieten, ist für die Vermittlung nicht so ein Schock, weil es da schon eine lange Geschichte des Nachdenkens und Ausprobierens von Methoden gibt, die gezielt Filter einbauen und Umwege vorschlagen, um das Voraussetzungsvolle der Kunstannäherungen zum einen transparent zu halten und andererseits etwas zu entmachten. Nicht zur Überbrückung von Defiziten, sondern weil dabei ganz viel mehr passiert, als auf der geraden/kürzesten Linie („Umwege erhöhen die Ortskenntnis“). Natürlich gibt es andererseits in der Vermittlung trotzdem das Ideal, als Personengruppe gemeinsam in einem Raum zu sein, sich dort zu bewegen und immer neue Blickachsen und Zusammenhänge zu entdecken, und sich – auch körperlich – zu den ausgestellten Werken in Beziehung zu setzen. Aber es ist ein interessanter Prozess, auch diese Sicht vorsichtig zu dekonstruieren und das Potential der intimen Momente in Break Out Groups, wenn ein Austausch über Kontinente hinweg / zwischen Fremden gelingt, und die Rückzugsmöglichkeiten und selbstbestimmte Aufmerksamkeitsregie bei abgeschalteter Kamera neu zu betrachten.

"UNSERER ROLLE IST FINDE ICH OFT UNTERBEWERTET – EINE GUTE VERMITTLUNGSARBEIT KANN VIELE WEGE ZUR KUNST AUFZEIGEN UND SCHON IN EINEM JUNGEN ALTER TÜREN DAFÜR ÖFFNEN."

Das Museum, die Kunsthalle als Ort der Vermittlung? Oder welche Aufgabe hat ein Museums/eine Kunsthalle ganz persönlich für euch?


Also am besten keine bestimmte Festlegung. Als Besucher*in: Einfach reingehen zu können (möglichst barrierefrei), selbst entdecken und herumflanieren können, Vermittlungsgebote annehmen können oder auch nicht. Als Vermittler*in mit Themen der Zeit arbeiten zu können, direkt mit und vor Kunstwerken mit Menschen arbeiten zu können. Zu experimentieren, etwas auszuprobieren, Studienort und Spielraum.


Für mich ist es wichtig, dass eine Ausstellung auch ein Ort ist wo Menschen zusammenkommen, ein Ort an dem Dinge ausprobiert werden können und wir mit jungen Menschen über Erfahrungen diskutieren können. Um diesen Anspruch gerecht zu werden haben wir auch zwei Kooperationen wo wir angehenden Kunstpädagog*innen die Möglichkeit geben Vermittlungsformate zu entwickeln und auszuprobieren. Diese beiden Projekte finden in Zusammenarbeit mit dem Institut für das künstlerische Lehramt an der Akademie der bildenden Künste Wien und dem Master of Arts Education Lehrgangs an der Musik- und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien statt.


Die Aufgabe eines Museums, einer Kunsthalle?: Zu inspirieren, neue Gedankengänge anzustoßen, Fragen aufzuwerfen und manchmal auch zu beantworten: ästhetische wie gesellschaftskritische Themen ansprechen, die einen gerade beschäftigen aber auch einfach einen Genuss, ein stärkendes Gefühl schaffen, durch humorvolle, intelligente künstlerische Positionen.


Ein Spielfeld der Imagination auf dem gesellschaftliche Veränderungen, Zukunftsvorstellungen oder kritische Perspektiven auf die Gegenwart ausgelotet und verhandelt werden können. Das heißt idealerweise auch ein Raum, wo komplexe Zusammenhänge sichtbar werden, vor allem auch durch den Austausch mit möglichst heterogenen gesellschaftlichen Gruppen, denn nur dann sind die Inhalte wirklich relevant. Die Arbeit an und die Aktivierung dieser Schnittstelle ist eine zentrale Aufgabe der Vermittlung.


Wie seht ihr eure Rolle als Kunstvermittler*innen innerhalb des Kunst- und Kulturbetriebe?


Ja, so Inbetween, am schönsten mit größter Beweglichkeit und Freiheit zwischen Kuratieren und Zusammenkehren.


Dieses Inbetween finde ich sehr schön und treffend formuliert!


Unserer Rolle ist finde ich oft unterbewertet – eine gute Vermittlungsarbeit kann viele Wege zur Kunst aufzeigen und schon in einem jungen Alter Türen dafür öffnen. Wir hatten das Glück, dass wir, die Vermittlung, im Jahr 2018 von Nicolaus Schafhausen eingeladen wurden in der ganzen unteren Halle der Kunsthalle Wien eine Mitmach-Ausstellung für Kinder (und Erwachsene) zu kuratieren und auf die Beine zu stellen. "Space for Kids. WeltTraumStadt" kam so gut an, dass wir für nächstes Jahr mittlerweile schon das vierte Mal eine neue Ausgabe von Space for Kids planen. Es ist schön, dass auch unsere neuen Direktorinnen, das Kollektiv WHW, uns unterstützen diese Reihe fortzusetzen.


Kunstvermittlung arbeitet mit Methoden, mit denen mit dem Publikum sogar die Diskussionsthemen und Fragen aktiviert werden können, von denen selbst die Künstler*innen und Kurator*innen überrascht wären, dass sie als Potentiale in den Kunstwerken steckten.


Wie funktionieren eure digitalen Programme während der Corona Krise? Habt ihr da schon Erfahrungswerte sammeln können? Denn euer Angebot wird ja sehr liebevoll detailliert präsentiert. Videos mit Beschreibungen, zu sehr anschaulichen Themen. Habt ihr Reaktionen erhalten?


Gab schon ganz feine Reaktionen. Zum Teil wurde auch konkret eingeladen etwas an uns zu schicken, Fotos und Filme mit uns zu teilen.


Ja es gibt immer wieder sehr nette oder berührende Rückmeldungen oder Fotos, nicht nur von Kindern oder ihren Eltern – kürzlich hat uns ein Mann aus Lake Michigan eine tolle Zeichnung zur Umgestaltung des Lueger Denkmals gemailt, mit einer Nachricht, dass er in Wien geboren wurde aber in der Zeit des Nationalsozialismus mit seiner Familie in die USA fliehen musste …


Wir haben uns zuletzt an Online-Kunstgesprächen versucht, für die das Konzept ist, in einer kompakten Stunde ein einzelnes Kunstwerk aus einer laufenden Ausstellung vorzustellen und von da, angeleitet durch Denkimpuls-Fragen, in die Tiefe der möglichen Diskussionsthemen zu gehen. Da kam dann von den Teilnehmer*innen die Rückmeldung, dass sie nun richtig neugierig sind, mit den vielen Fragen und Überlegungen, die sich für sie im Gespräch eröffnet haben, in die Ausstellung zu gehen, und dort nach weiteren Anschlussstellen zu suchen.


An eurem Vermittlungsprogramm finde ich so toll, dass es auch über die aktuell laufenden Ausstellungen hinausdenkt und somit Bezüge schafft, die die jeweiligen künstlerischen Themenfelder greifbarer und anschaulicher machen, z.B. führt ihr für eure Podcasts Gespräche mit vielen verschiedenen Künstler*innen. Dadurch können die einzelnen künstlerischen Positionen einer Ausstellung nochmal ganz individuell wirken. Wie geht ihr bei Konzeption und Umsetzung dieses Programms vor?


Bei vielen künstlerischen Arbeiten handelt es sich um die Formulierung einer komplexen Recherche oder einer sehr spezifischen Denkweise, also sehr spezialisiertem Wissen. Dies kann für Besucher*innen hermetisch oder schwer zugänglich sein. Durch das Nachzeichnen künstlerischer Herangehensweisen im persönlichen Gespräch als Podcast, werden scheinbar komplizierte Handlungsstrategien nachvollziehbarer. Außerdem glaube ich, dass im institutionellen Kunstfeld die Stimmen der Künstler*innen zwar durch ihre Werke, zu selten aber durch die Gedanken, Strategien oder Meinungen dahinter, vertreten sind.

Bei der Entwicklung der einzelnen Episoden stehen somit immer Interviews mit Künstler*innen im Vordergrund. Formal bekommt jede Ausstellung eine ganze eigene auditive Identität. Das heißt der Jingle, der Background-Sound und auch die Art der Moderation greifen inhaltliche Aspekte der jeweiligen Ausstellung auf. Bei der aktuellen Reihe zur Ausstellung "Cybernetics of the Poor" nehme ich beispielsweise Feedback - ein zentrales Konzept der Kybernetik - als Ausgangspunkt. Der Jingle spielt mit analogem Feedback und Radiosounds, während die Hintergrundmusik bei der Moderation algorithmisiert ist, das heißt in diesem Fall: ein Computerprogramm baut, basierend auf dem was davor kam, immer weiter an einem Song, der sich somit kontinuierlich minimal wandelt.

"MANCHMAL IST ES NATÜRLICH AUCH HERAUSFORDERND WENN ALLE FÜR ALLES ZUSTÄNDIG SIND UND ES BRAUCHT IMMER WIEDER AUCH KLARE ARBEITSTEILUNGEN. "

Seid ihr ständig im Prozess des Austauschs oder habt ihr eure festen Rollen, in denen ihr arbeitet? Denn ihr seid ja ein vergleichsweise kleineres Team.


Guter Austausch ist wichtig, am besten auch, wenn direkt vor Ort kommuniziert werden kann. Einerseits haben wir feste(re) Rollen, wenn ein Projekt von ein, zwei Vermittler*innen realisiert wird, andererseits ist die Beweglichkeit wichtig, weil die Rollen auch getauscht werden. Einige Aufgaben sind relativ fix, weil so gewachsen, dh. aber sie können auch wieder geändert werden, verpflanzt?


Wir arbeiten schon seit einiger Zeit in dieser sehr starken Teamstruktur zusammen und haben erkannt, dass es ohne einen ständigen Austausch nicht funktioniert. Jedes Projekt ist als erstes von einem ergebnisoffenen Zugang geprägt und erfordert viele Diskussionen und Inputs. Diese Vielstimmigkeit an Ideen, Methoden und Zugängen ist sehr bereichernd und trägt dazu bei, dass wir immer wieder neue Sachen ausprobieren und es einem nie fad oder langweilig wird. Der Umstand dass wir ein Team sind das sich aus Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen, Pädagog*innen,… zusammensetzt und wir uns durch diese unterschiedlichen Backgrounds toll ergänzen macht auch sehr viel aus.


Ja, wir profitieren sehr von unseren unterschiedlichen Fähigkeiten und ergänzen uns dadurch oft extrem gut. Das schätze ich sehr an unserer Arbeit, dass wir in einer Art unhierarchischem Kollektiv, organisch unsere Arbeitsaufgaben/Projekte erarbeiten. Manchmal ist es natürlich auch herausfordernd wenn alle für alles zuständig sind und es braucht immer wieder auch klare Arbeitsteilungen.


Wir versuchen die Stärken der Arbeit im Kollektiv wirklich zu nutzen. Das ist vor allem spannend in gemeinsamen kreativen Prozessen, also in der Konzeptionsphase eines Projekts beispielsweise. Bedingung für das Gelingen ist ein große Offenheit, die es ermöglicht gemeinsam noch etwas weiter zu denken, als es für einen Einzelnen oftmals möglich ist.


Wie ist die Programmreihe KISS entstanden? Ist das auch ein Vermittlungsprogramm?


KISS ist kein Vermittlungsprojekt sondern eine programmatische Reaktion der Kunsthalle Wien auf die Corona-Krise. Das Spannende daran war neben dem Inhalt der einzelnen künstlerischen Arbeiten, wie schnell man institutionell auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagieren kann und welche Probleme das mit sich bringt, vor allem wenn man im öffentlichen Raum arbeitet. (Genehmigungen etc.). Die meisten Ausstellungen haben eine relativ lange Vorlaufzeit, im Gegensatz dazu stellen Informationsinfrastrukturen, die immer schneller und dynamischer werden, eine zentrale Herausforderung für kulturelle Institutionen dar. Für Künstler*innen ist es wichtig Raum zu bekommen, sich solchen brennenden Fragen zu stellen, um mögliche Antworten oder imaginative Handlungsräume auszuprobieren. Ich habe bei der Vermittlung dieses Formats, in Form von Stadtspaziergängen, gemerkt, dass von den Besucher*innen ein großes Interesse genau an solchen Inhalten und Formaten herrscht. Vor allem, wenn es um Dinge geht, die scheinbar nicht zu Ende verhandelt sind, sondern sich im Fluss im befinden.


Was von den speziell während der Corona Krise entwickelten Vermittlungskonzepten wird auch Post-Corona (falls es das geben wird) bleiben, auch wenn Vermittlungsformate wieder real stattfinden können?


Die Online-Kinder-Workshops, wie auch die Online-Kunstgespräche und etwas, von dem wir noch gar nicht wissen, dass wir es umsetzen werden. Und auf alle Fälle die Podcasts, die wurden aber in der Kunsthalle Wien schon vor der Corona Krise implementiert.


Live Online-Kunstgespräche und Workshops sind eine tolle Möglichkeit auch Menschen zu erreichen, die z.B. nicht in Wien oder Österreich leben oder aus anderen Gründen nicht in die Kunsthalle Wien kommen können.


Was wünscht ihr euch für die Zukunft der Kunst und Kunstvermittlung?


Naheliegend, aber nicht unwichtig: Keine Masken, arbeiten auch wieder in der Ausstellung, in Workshop-Bereichen, keine Beschränkung der Teilnehmer*innen Anzahl auf weniger als 10-12 Personen. Den Freiraum und die Möglichkeiten, die derzeit in der Kunsthalle Wien gegeben sind, beibehalten zu können. Einen eigenen Workshop-Raum, der hell und groß ist, zu bekommen.

Eine größere Wertschätzung der Vermittlungs-Arbeit allgemein, wäre auch zu wünschen, denke aber, die werden wir uns einfach weiter erarbeiten (müssen).


Ich wünsche mir am meisten, dass wir wieder Nähe zulassen können und gemeinsam an Projekten arbeiten können.


Ich wünsche mir, dass die Wichtigkeit von Kunst und Kunstvermittlung immer mehr erkannt wird und viele Menschen eine aktive Auseinandersetzung/Begegnung mit Kunst als eine Bereicherung für ihr Leben schätzen lernen.


Ein besseres gesellschaftliches Verständnis für die Potentiale von Vermittlung, Kunst sowie künstlerischer Bildungsarbeit und damit verbunden auch den Mut neue Möglichkeiten in diesem Bereich zu schaffen und diese dann auch wirklich zu gehen. Im Schatten des Klimawandels, der Automatisierung von Arbeit, der ungleichen Verteilung von Vermögen und auch der Pandemie scheint es dringend notwendig Bildungskonzepte zu überdenken und genau hier könnten künstlerische und kulturelle Strategien Wunder wirken und (Denk)Räume öffnen, wenn man sie lässt.


Dass sie in den Häusern noch stärker als Stimme, bzw. vielleicht eher Schnittstelle in Betracht gezogen wird, wo mit dem Publikum die Institution weitergedacht wird, damit der Auftrag zur Mitgestaltung gerechter, komplexitätsfähiger, demokratischer Gesellschaften realisiert werden kann.
Wolfgang Brunner (*1958) – studierte Grafik an der Wiener Kunstschule sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Seit 1999 arbeitet er als Kunstvermittler für Institutionen wie Bawag Foundation, Bawag Contemporary, MAK Wien, MUSA Museum Startgalerie Artothek und für verschiedene Kunst und Kunstvermittlungsprojekte. Seit 2008 ist er Kunstvermittler in der Kunsthalle Wien.
Michaela Schmidlechner (*1975) studierte Malerei an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und Konzeptuelle Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien. Von 2008 bis 2020 leitete und konzipierte sie Kunstworkshops im Zoom Kindermuseum Wien sowie freiberuflich. Seit 2018 arbeitet sie in der Abteilung für Kunstvermittlung der Kunsthalle Wien.
Andrea Hubin (*1972) studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und auf einen kurzen Seitensprung Modernen Tanz an der Kunsthochschule in Amsterdam. Kontexte ihrer Vermittlungsarbeit waren (und sind) die documenta 12, die Berlin Biennale 5, das Volkskundemuseum Wien, die Generali Foundation Wien und seit 2007 die Kunsthalle Wien. Sie forscht und publiziert zum Thema Kunstvermittlung und ist Lektorin an der Universität für Angewandte Kunst Wien (Bereich Fachdidaktik). Als Kunsthistorikerin edierte sie zwei umfassende Werkkataloge der Sammlung Dieter & Gertraud Bogner im mumok Wien.
Michael Simku (*1985) hat Bildende Kunst (Schwerpunkt Film und digitale Medien) an der Akademie der Bildenden Künste Wien studiert. Er lebt und arbeitet in Wien als Künstler, Filmemacher und Kunstvermittler. Seit 2013 ist er für die Kunsthalle Wien als Teil der Abteilung für Kunstvermittlung tätig. Neben der Arbeit für die Kunsthalle Wien realisiert er eigene künstlerische und filmische Projekte mit dem inhaltlichen Fokus auf die Wirkungsmacht von Storytelling und Fiktionen auf Automatisierung, Ökonomie und Politik.
Martin Walkner (*1977) studierte Pädagogik mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik und Systematische Pädagogik an der Universität Wien und arbeitete parallel dazu im Zoom Kindermuseum. Nach Beendigung seines Studiums begann er als kuratorischer Assistent in der Kunsthalle Wien und wechselte 2015 in die Abteilung für Kunstvermittlung. Zusätzlich zu seiner kunstvermittlerischen Arbeit in der Kunsthalle Wien ist er Teil der immersiven Theaterkompanie Nesterval.
Fotos:

  1. Berufsschulprojekt, Gäste, Gosti, Misafirler, Kunsthalle Wien Karlplatz, Foto Kunsthalle Wien
  2. Community College, Collective Study Session, Foto David Meran
  3. Erste Wiener KinderKulturParade, Foto eSeL.at - Lorenz Seidler
  4. Mehr Worte Buchprojekt, Foto Kunsthalle Wien
  5. Meine Stadt Meine Parade, KinderKulturParcours, Foto eSeL.at - Lorenz Seidler
  6. Space for Kids, Denk(dir)Mal!, Ausstellungsansicht, Foto Kunsthalle Wien
  7. Space for Kids, Denk(dir)Mal!, Ausstellungsansicht, Foto Kunsthalle Wien
  8. Space for Kids, WeltTraumStadt, Foto Kunsthalle Wien
  9. Space for Kids, WeltTraumStadt, Planungsbüro, Foto Kunsthalle Wien
  10. Workshop mit Barbara Kapusta, Mehr als nur Worte, Foto Kunsthalle Wien
  11. Zukunft bist Du, Lehrlingsprojekt, Foto Kunsthalle Wien

www.kunsthallewien.at
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