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FEDERICO VECCHI



FEDERICO VECCHI IST EIN GUTER FREUND. FEDERICO VECCHI IST VOR ALLEM ABER AUCH EIN BILDENDER KÜNSTLER, DER AN DER SCHNITTSTELLE VON MALEREI, ZEICHNUNG UND BILDHAUEREI ARBEITET.


IN ITALIEN GEBOREN, LEBT ER SEIT 2011 IN WIEN UND HAT ER U.A. HERMANN NITSCH, ERWIN WURM, DANIEL SPOERRI UND BRIGITTE KOWANZ ASSISTIERT.


DA FEDERICO 2019 EINE ZEIT LANG MEIN NACHBAR WAR, HATTE ICH DIE GELEGENHEIT SEIN WERK AUS NÄCHSTER NÄHE KENNENZULERNEN. DESHALB KANN ICH AUCH MIT BESTIMMTHEIT SAGEN, DASS FEDERICO SEINE KUNST LEBT. SEINE WOHNUNG IST ATELIER, WERKSTATT, GALERIE UND LEBENSRAUM ZUGLEICH. INSBESONDERE WÄHREND DER CORONA PANDEMIE, DURCH DIE WIR ALLE NOCH ENGER AN UNSERE EIGENEN VIER WÄNDE GEBUNDEN SIND, STAND FEDERICO NOCH INTENSIVER IN VERBINDUNG MIT SEINEM WERK UND ERLEBTE DARAUFHIN EINEN BESONDERS KREATIVEN SCHAFFENSPROZESS. EINIGE DIESER, ABER AUCH ÄLTERER WERKE SIND NUN IM SCHAUFENSTER DER GALERIE EST_PROJECTS ZU SEHEN. DIESE SOGENANNTE „WINDOW EXHIBITION“, DIE EST_PROJECTS NUN MIT DEN ARBEITEN VON FEDERICO VECCHI ZUM … MAL SEIT DER PANDEMIE DURCHFÜHRT, IST EINE ZIEMLICH GUTE IDEE, DENN GALERIE- UND MUSEUMSBESUCHE SIND IMMER NOCH BZW. DIE MEISTE ZEIT NICHT GESTATTET, WÄHREND SPAZIERENGEHEN UND „WINDOW SHOPPING“ ZU UNSER ALLER HOBBY GEWORDEN IST.


WIR HABEN MIT FEDERICO ÜBER SEINE AUSSTELLUNG GESPROCHEN UND MÖCHTEN EUCH AUCH EIN PAAR FOTOGRAFISCHE AUFNAHMEN NICHT VORENTHALTEN.

Wie ist es zu der Ausstellung gekommen?


Ich habe schon vor 2 Jahren für Esther Stocker und ihr Team gearbeitet und genau die Räume renoviert, in denen jetzt die Ausstellung zu sehen ist. Schon damals wollte sie diese nicht nur als Lager, sondern auch als Showroom für KünstlerkollegInnen nutzen, deren Arbeiten sie sehr schätzt. Dabei ging es ihr aber nicht darum, eine öffentliche Institution, wie z.B. einen Kunstverein zu gründen, sondern spontan Ausstellungen zu organisieren. Wir haben in diesem Zusammenhang dann auch davon gesprochen, meine Arbeiten, vor allem meine Skulpturen in ihren neuen Räumlichkeiten auszustellen. Doch nach der Eröffnung im Herbst 2019 kam relativ schnell erstmal – wie wir alle wissen – die Corona Pandemie und es gab keine Möglichkeit mehr Ausstellungen zu veranstalten. Im Winter 2020 haben wir uns dann wiedergetroffen und beschlossen, die Ausstellung meiner Skulpturen nun, so schnell es geht zu realisieren. Daraufhin haben wir abgewartet, inwieweit die neuen Maßnahmen das zulassen und uns im Zuge dessen dafür entschieden ein kleines sogenanntes „Soft-Opening“ zu veranstalten, wie es zur Zeit viele Galerie in Wien machen.

Das Besondere an den Räumen ist übrigens, dass sie sehr schöne Schaufenster haben. Und vor allem der Eckraum, in dem meine Arbeiten zu sehen sind, ist ein Kubus und hat zwei riesige Fenster. Das passt jetzt perfekt, weil man die Räumlichkeiten wegen Corona nicht betreten darf und die gesamte Ausstellung nur von der Straße aus sehen kann. Deshalb haben wir auch den Begriff „Window-Exhibition“ gewählt. Spazierengehen ist ja zur Zeit das einzige, was man tun darf.

"ALLES FING DAMIT AN, DASS ICH MICH IN MEINEM ATELIER NACH ARBEITSMATERIAL UMGESEHEN HABE UND DACHTE, ICH MÖCHTE ABGUSSFORMEN AUS DIESEN GEGENSTÄNDEN HERSTELLEN."

Du zeigst vor allem dein bildhauerisches Werk in dieser Ausstellung. Kannst du etwas über deinen Werkprozess berichten? Er ist ja sehr speziell.


Die Serie, die ich ausstelle, ist sehr umfassend. Sie besteht aus 15. Skulpturen, trägt den Titel Formaunica und ist vor ca. drei Jahren entstanden. Der Titel heißt übersetzt „Einzige Form“ und bezieht sich vor allem auf das technische Verfahren des Gipsabguss – die Skulpturen sind aus dem Material Gips konstruiert –, dass ich bewusst verfälscht habe. Ich wollte spontaner arbeiten können, um mich von dem konventionellen, sehr langwierigen Werkprozess zu lösen. Alles fing damit an, dass ich mich in meinem Atelier nach Arbeitsmaterial umgesehen habe und dachte, ich möchte Abgußformen aus diesen Gegenständen herstellen. Das heisst, ich habe z.B. Holzleistenreste von meinen Rahmen verwendet, während ich aber dann, um die negativen Formen zu schließen, alte Plastikverpackungen wiederverwertet habe. Quasi auch ein ökologisches Prinzip, um nichts wegzuschmeißen. Alles, was ich bereits verbraucht hatte, habe ich in meine Kunst integriert. Das ist auch ein sehr wichtiges Element in meinem Werk. Dadurch entsteht sozusagen eine Sublimierung des Alltäglichen. Bei meinen Skulpturen entsteht immer nur eine negative Form, während normalerweise beim herkömmlichen Verfahren immer zwei Negativformen produziert werden. Wenn man dann meine eine negative Form umdreht und noch einmal abgießt, wird es niemals mehr dieselbe identische Form entstehen. Hier liegt der deutlichste Unterschied zu dem originalen Abgußverfahren.

Besonders wichtig ist mir auch der Aspekt der Entfremdung des Materials. Wenn man meine Skulpturen betrachtet, soll man das Hauptmaterial Gips gar nicht mehr erkennen können und sich fragen, was es sein könnte. Bezogen auf Form und Material. Um das zu erreichen färbe ich den Gips zu Beginn direkt ein. Die Farbe wird somit zum Bestandteil des Materials. Darauf folgen etliche Lasuren, die ich mit Acryl- und Sprühfarbe vornehme und am Ende wird das gesamte Werk mit einem glänzenden Firnis behandelt.

Formaunica ist auch eine indirekte Hommage an den Künstler Umberto Boccioni (1882–1916), der um 1913 die wunderbare und sehr berühmte Skulptur mit dem Titel Forme uniche della continuità nella spazio geschaffen hat. Übersetzt heißt das in etwa: Einzigartige Formen der Kontinuität im Raum.

"ICH BEZEICHNE MEINE ARBEITEN ALS SKULPTUREN. DER UNTERSCHIED ZWISCHEN DEN BEIDEN BEGRIFFE LIEGT FÜR MICH EHER IM WISSENSCHAFTLICHEN BZW. TECHNISCHEN BEREICH BEGRÜNDET."

Skulptur oder Plastik?


Ich bezeichne meine Arbeiten als Skulpturen.

Der Unterschied zwischen den beiden Begriffe liegt für mich eher im wissenschaftlichen bzw. technischen Bereich begründet. Die Plastik meint das additive, hinzufügende Verfahren, während die Skulptur das subtrahierende Verfahren bezeichnet, bei dem z.B. aus Marmor ein Gesicht gehauen wird. Allerdings werden alle KünstlerInnen, sowohl die, die Skulpturen als auch die, die Plastik schaffen, unter dem Begriff BildhauerInnen zusammengefasst. Demnach wird wortwörtlich ein Bild aus einem Material gehauen, das Verfahren ist also skulptural. Eine andere Rolle spielt auch, dass wir das Wort Plastik hauptsächlich für das Material Kunststoff verwenden. Und da ich Kunststoff innerhalb meines Werkprozesses verwende, gefällt mir der allgemeine Begriff der Skulptur für meine Arbeiten einfach besser.


Was war für dich die größte Herausforderung dabei, deine bildhauerischen Arbeiten in einem Schaufenster zu präsentieren bzw. wie gehst du damit um, dass man deine dreidimensionalen Werke in diesem Fall gar nicht umgehen oder aus nächster Nähe quasi „Face to Face“ betrachten kann?


Ich kannte zum Glück die Räumlichkeiten ja aufgrund der Renovierungsarbeiten im Vorfeld sehr gut. Das hat mir unglaublich geholfen. Bei der Konzeption der Ausstellung war ich sehr inspiriert von Medardo Rosso (1858–1928). Er ist heute als einer der bedeutendsten impressionistischen Bildhauer bekannt und war überzeugt davon, dass man eine impressionistische Skulptur dadurch erschaffen kann, indem man nur einen Blickpunkt verstellt. Rosse hat Ende des 19. Jahrhunderts in Paris gelebt und die Erfindung der Fotografie aus nächster Nähe miterlebt. Diese Entdeckung war für ihn von großer Bedeutung, zumal er auch eine Reihe seiner Skulpturen bereits im Atelier immer wieder fotografiert hat. Die Fotografie hat ihm die Möglichkeit gegeben, die verschiedenen Perspektiven seiner Skulpturen, die durch verschiedene Blickwinkel entstehen, zu überprüfen. Auch ein schönes Gedankenspiel im Hinblick auf den Unterschied zwischen Malerei, Fotografie und Bildhauerei.

Bezogen auf meine Ausstellung handelt es sich bei den Räumen ja auch um einen Eckraum. Das heisst an einigen Stellen hat man schon die Möglichkeit mehrere Perspektiven auf die Skulpturen zu erlangen. Aber natürlich immer von außen. Im Übrigen umfasst meine Skulpturengruppe aber auch sogenannte Wandskulpturen, die eh fest installiert und von daher nicht dreidimensional begehbar sind. Diese Skulpturen erlangen dann Räumlichkeit, indem ich ihren Hintergrund an der Wand bemale. Dabei handelt sich zumeist nur um einen gestisch-abstrakten Farbabdruck, der aber damit ein gewisses Gefühl der Skulptur über außen in den Raum hineinträgt. Die Skulptur wird damit quasi wieder geöffnet.


Wo stellst du als nächstes aus?


Nächste Woche reisen bereits sechs meiner Skulpturen, die gerade im Showroom zu sehen sind nach Salzburg, denn da findet vom 22.05. bis 03.07.2021 in der Elektrohalle Rhomberg meine nächste Ausstellung statt. Es ist eine Gruppenshow mit dem Titel „Heady Days“ und wurde von dem Team von Les Noveaux Riches kuratiert.
Fotos:
Federico Vecchi, 2021

www.federicovecchi.com
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