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CLAUDIA ROBLES-ANGELS



CLAUDIA ROBLES-ANGELS ARBEITEN SIND NICHT NUR VISUELL, SONDERN AUCH AKUSTISCH ERFAHRBAR. DABEI SIND ES VOR ALLEN DIE VORGÄNGE IM INNERN DES KÖRPERS - DIE NICHT SICHTBAREN UND HÖRBAREN - DIE SIE MIT IHREN INSTALLATIONEN UND PERFORMANCES FÜR DAS PUBLIKUM WAHRNEHMBAR MACHT. EIN GESPRÄCH ÜBER AUDIOVISUELLE KUNST, WISSENSCHAFT, DAS PUBLIKUM UND RAUM.

Liebe Claudia, die letzte Installation, die ich von dir gesehen habe, war in St. Gertrud in Köln. Du stellst öfters im Kirchenraum aus, hat das einen tieferen Sinn?


Es ist nicht mein Ziel immer in Kirchenräume auszustellen, aber es funktioniert gut. Kirchen sind interessante Räume. Manchmal sind sie aber auch schwierig…vor allem für die Akustik.


Das Sakrale des Kirchenraums ist für dich als Einfluss auf deine Kunst nicht relevant?


Sagen wir es so, für einige Arbeiten passt der Kirchenraum sehr gut. Nehmen wir zum Beispiel MINDSCAPE, bei der die Idee von Meditation wichtig ist, hier passt der Kirchenraum als Ausstellungsraum sehr gut. Aber mein Ziel ist es nicht in einer Kirche zu arbeiten. Ich finde aber, dass er sehr interessante Räume sind, auch architektonisch.


Beeinflusst dann der Raum deine Installation?


Ja, ich würde sagen Beides beeinflusst sich. Der Raum wird immer die Arbeit beeinflussen und umgekehrt.


Also eine Art Symbiose, die Raum und Installation zusammen eingehen?


Für mich muss eine Installation immer mit dem Raum mitspielen. Der Begriff in situ ist eigentlich eine gute Beschreibung dafür. Denn die Installation wird beim Aufbauen in den Raum hinein gearbeitet. Das heißt der Raum spielt immer mit. Es gibt natürlich auch Installationen bei denen das nicht so sehr der Fall ist, zum Beispiel bei Screen-Projektionen. Aber ich mag Screen-Projektionen nicht so gerne. Ich mag es mit großen Projektionen direkt im Raum zu spielen, meine Intention ist es, immer einen immersiven Raum zu schaffen. Die Besucher*innen sollten sich sowohl von Klang als auch von den Bildelementen umgeben fühlen, sei es Video oder Licht.


Und das Publikum? Wie beeinflussen sich das Publikum und deine Installationen? Das Publikum wird bei deinen Arbeiten ja eingeladen mitzumachen, zum Beispiel bei LEIKHEN oder auch bei SKIN. Durch die Messung von Gehirnströmen oder auch Hautfeuchtigkeit wird das Publikum direkt in deine Arbeit, in deine Kunst mit einbezogen, wird Teil deiner Kunst.


Ja, auch wenn es nur ein Video wäre, ohne eine Messung von biomedizinischen Signalen. Für mich ist es das Publikum, das das Werk schließlich vollendet.


Ohne Betrachter*innen, ohne Publikum würde der Sinn des Kunstwerks verloren gehen…


Allein die Wirkung eines Videos auf die Betrachter*innen oder das Publikum, das was es im Innern auslöst, das ist es was die Arbeit vollendet. Alle machen andere Erfahrungen, jeder und jede sieht oder hört anders, versteht und verarbeitet die ganze Situation anders. Die Vollendung der Arbeit findet also im Kopf der Betrachter*innen statt.

Bei den Messungen ist die Situation natürlich etwas anders, durch diese kommt noch ein weiterer Bestandteil in meinen Installationen hinzu: Durch die Messungen wird die Installation zu einem Spiegel, was im Innern der Person, die mit der Installation interagiert und sie erfährt, passiert.

"DABEI STELLTE ICH FEST, DASS ES SEHR SCHWIERIG IST EINE VORSTELLUNG VON KLANG IN WORTE ZU FASSEN."

Das ist ja das Spannende bei deinen Arbeiten. Das was man nicht direkt sieht wird durch die Transformation über die gemessenen Werte wieder sichtbar gemacht. Über Sound, Video oder Bild.


Genau, darum geht es. Um das sichtbar und hörbar machen. Es wird sichtbar und hörbar, was man im Alltäglichen nicht wahrnehmen kann. Natürlich arbeite ich mit Klängen, die man hört. Das sind keine Frequenzen, die unhörbar sind, sondern ganz im Gegenteil. Aber es sind subtile Klänge, die zwar da sind, die man aber nicht wahrnimmt. Mit dem Körper ist es ein bisschen anders, zum Beispiel Herzschläge, man nimmt sie nicht wahr aber trotzdem sind sie da. Und sie sind auch hörbar. Aber Gehirnwellen oder Gehirnaktivität kann man nicht wirklich sehen oder hören. Diese sind subtil - zum hören und zum sehen. Meine Einladung ist es diese minimale Schwankungen im Körper wahrzunehmen und visuell und akustisch im Raum sichtbar und hörbar zu machen.


Deine Umsetzungen sind ja sehr komplex. Sehr intelligent und durchdacht. Wie kommt man zu solchen komplexen Umsetzungen? Wie war dein künstlerischer Weg bis zu diesem Punkt? Angefangen hast du ja mit einem Studium in Fine Arts. War das einfach nur um einzusteigen und der Wunsch nach Multimedia war immer schon da? Oder hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt?


Das Leben ist ein Prozess. Zu Beginn meines Studiums an der Universität in Bogotá in Kolumbien, gab es Video als Fachbereich noch nicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber schon sehr interessiert an der Verbindung von Kunst und neuen Technologien, Hologrammen und Licht u.a. Ich wollte also gerne Videokunst machen, musste aber trotzdem zunächst alles andere lernen wie Malerei und Skulptur. In meinen letzten zwei Studienjahren habe ich meinen Schwerpunkt dann auf Fotografie gelegt. Im Anschluss an mein Studium in Fine Arts wollte ich unbedingt Animation oder Video studieren. Deshalb bin ich nach Europa gekommen. Angefangen habe ich mit einem Studium in Animation in Mailand und bin dann weiter nach Genf, um dort Visuelle Kunst im Master zu studieren. Klang kam erst später. Bei meinen ersten Filmen habe ich mit einem Musiker zusammengearbeitet, der die Musik für die Filme kreieren sollte. Dabei stellte ich fest, dass es sehr schwierig ist eine Vorstellung von Klang in Worte zu fassen. Ich hatte zwar eine Vorstellung konnte sie aber nicht ausdrücken. Zunächst habe ich am Ende meines Masters angefangen dann selbst zu experimentieren und zurück in Kolumbien habe ich einen Komponisten kennengelernt, der mir empfahl elektronische Musik zu studieren. Das habe ich dann in Deutschland gemacht. Und hier habe ich erst mit Software, die Musiker nutzen für Live-Electronics, experimentiert und irgendwann habe ich diese Sensoren entdeckt. Mein erstes Stück, welches ich als Gastkünstlerin im ZKM entwickelte, war mit Muskelsensoren. Also du siehst, es ist ein Prozess. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal was mit Musik mache.


Deine Arbeiten haben ja auch einen stark wissenschaftlichen Anspruch. War der wissenschaftliche Ansatz in deinen Arbeiten immer schon vorhanden und vor allem auf das Interesse an den Neurowissenschaften bezogen? Oder hat sich dies auch erst mit der Zeit entwickelt?


Wissenschaft war schon immer interessant für mich. Ich wollte beispielsweise immer mit Hologrammen arbeiten. Physik war etwas, was mich schon lange interessiert hat. Mein Diplomabschluss in Kunst hatte auch mit Physik zu tun. Aber an Medizin habe ich nie gedacht. Erst als ich das Projekt für das ZKM entwickelt habe. Ich hatte am Anfang ein Kunststipendium in der Musikabteilung des ZKM und habe dort die Installation SEED/TREE entwickelt, bei dem ich Muskelsensoren verwendete. Nach der Präsentation der Installation, sah der Leiter der Abteilung der Grundlagenforschung in meiner Arbeit das wissenschaftliche Potential und öffnete mir die Augen dafür, was ich da eigentlich mache. Bis dahin war mir gar nicht bewusst, wie wissenschaftlich ich eigentlich arbeite. Aber ich fand es so spannend, dass ich so weiter arbeiten wollte. Kunst und Wissenschaft gehören ja immer auch zusammen. Das ist nicht neu - denken wir zum Beispiel an Leonardo da Vinci.


Der Körper ist in deinen Arbeiten immer sehr präsent. Verstehst du diesen als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Kunst? Vor allem auf deine Installationen und Performances bezogen.


Auf gewisse Weise ja. Denn ich arbeite mit Körpersignalen - das ist der wissenschaftliche Teil von meiner Arbeit. Also ist der Körper schon das verbindende Element.

" MEINE PERFORMANCES HABEN EINE DRAMATURGIE, DIE INSTALLATIONEN SIND MEHR EIN DISPOSITIV - SIE HABEN EINE STRUKTUR, ABER KEINE DRAMATURGIE IN SICH SELBST."

Wir haben darüber gesprochen, dass jede Form von Kunst auch Betrachter*innen/Publikum braucht. Siehst du einen Vorteil von Installation und Performance - denn vor allem die Performance kann emotionale Prozesse sehr gut sichtbar machen - gegenüber der klassischen Malerei?


Zur Malerei kann ich wenig sagen. Ich musste das in der Uni machen, war aber nicht gut. Aber zu Performance und Installation kann ich etwas sagen. Performance und Installation sind unterschiedlich. Meine Performances haben eine Dramaturgie, die Installationen sind mehr ein Dispositiv - sie haben eine Struktur, aber keine Dramaturgie in sich selbst. In meiner Arbeit funktioniert es so: An der Idee der Installation bei meiner Arbeit mag ich, dass die Leute erstmal einen Überblick davon bekommen, was mit dieser ganzen Struktur von Video, Licht, Klang und dem Körper möglich ist. Und das können sie dann in der Installation selber ausprobieren. Die Performance ermöglicht mir auszuprobieren was ich konzipiert habe. Mir ist es wichtig auf die Bühne zu gehen und die Emotionen und Transformationen selber zu erleben. Ich genieße es, diese Emotionen zu vermitteln. Wobei ich mich selber nicht wirklich als Performerin bezeichnen würde, da ich es nie professionell gelernt habe und auch kein richtiges Training dafür habe. Bis jetzt performe ich selber nur zwei von meinen Performances: SKIN und MINDSCAPE. MINDSCAPE erfordert kein performatives Training, ich muss mich nicht bewegen, nur denken - mich entspannen oder aufregen. Bei SKIN ist es anders, diese Performance ist dramatischer, ich versuche mich hier wirklich emotional sehr stark aufzuregen. In beiden Performances bin ich trainiert meinen emotionalen Zustand zu verändern, z.B von einem Zustand der Entspannung in einen Stresszustand, um die audiovisuelle Umgebung zum transformieren.


Wie weit kann Kunst deiner Meinung nach wirken? Kann sie beim Menschen gewisse Veränderungen bewirken im Sinne einer Verständniserweiterung?


Ich glaube schon, dass sie das kann. Mit meinen Arbeiten versuche ich immer auch das Bewusstsein zu erweitern. Es sind so gesagt Einladungen zum bewusst sein. Angefangen habe ich in meinen Arbeiten mit dem innerlichen Bewusstsein zum Körper. Aber es ist nicht nur das, es ist auch eine Wahrnehmung von anderen, von der Umgebung. Bei der Installation REFLEXION, möchte ich, dass sich zwischen zwei Menschen Empathie entwickelt, dass sie miteinander mitfühlen, damit sich ihre Herzschläge synchronisieren.Die einzige Möglichkeit, dass dies geschieht, ist hier nicht nur sich selbst wahrzunehmen, sondern auch die andere Person. Ich hoffe natürlich, dass die Leute nach der Erfahrung und dem Erleben dieser Installation, sich Fragen nach Empathie und Mitgefühl stellen. Wenn die Wahrnehmung nach dem Erleben meiner Installationen bewusster wird, fände ich das natürlich wunderbar.
Fotos:

  1. MINDSCAPE © Claudia Robles Angel / VG Bild und Kunst, MEGARON Theater Athens Digital Art Festival ADAF 2018, Foto Léa Abaz
  2. MINDSCAPE © Claudia Robles Angel / VG Bild und Kunst, MEGARON Theater Athens Digital Art Festival ADAF 2018, Foto Constantinos Samaras
  3. LEIKHEN © Claudia Robles Angel / VG Bild und Kunst, Immersive Lab ICST ZHdK Zürich 2018, Foto Daniel Bisig
  4. REFLEXION - In Sync/out of Sync - © Claudia Robles Angel / VG Bild und Kunst, Kunst-Station Sankt Peter Köln 2019, Foto Marcela Vanegas
  5. SKIN © Claudia Robles Angel / VG Bild und Kunst, 119 Gallery Lowell USA, Foto Andrea Pensado

www.claudearobles.de
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